Medienmitteilung des Vereins Wisent im Thal vom 9. April 2026, 06 Uhr
Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat im Januar 2026 zum zweiten Mal die Umfrage zur Akzeptanz der Wiederansiedlung des Wisents im Solothurner Jura durchgeführt. Dazu wurden alle Haushalte der vier betroffenen Gemeinden Welschenrohr-Gänsbrunnen, Herbetswil, Günsberg und Balm bei Günsberg angeschrieben. Insgesamt haben 418 der angefragten 1554 Haushalte geantwortet, was einem sehr guten Rücklauf von 26.9% entspricht. Die erste Umfrage fand im Mai 2023 statt, wenige Monate nach der Eröffnung des Wisentgeheges. Damals nahmen 24.7% der Haushalte an der Umfrage teil.
Der Projektbearbeiter der WSL, Matej Mrvelj, hat in einem Kurzbericht (Link) die wichtigsten Ergebnisse zusammengestellt: Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse der zweiten Umfrage, dass der Wisent als Tier und auch Begegnungen mit ihm weiterhin positiv wahrgenommen werden. Wisente werden von der deutlichen Mehrheit der Antwortenden als spannend, friedlich und als Bereicherung für den Naturpark Thal betrachtet.
Die aktuelle Situation mit einem grossen, zugänglichen Gehege wird – wie bereits 2023 – insgesamt positiv beurteilt. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die den Wisenten schon begegnet sind, fand diese Begegnung spannend und freudvoll. Entsprechend wird die Anwesenheit der Wisente nach wie vor begrüsst. Die Akzeptanz der Wiederansiedlung und ihrer verschiedenen Formen ist jedoch leicht gesunken. Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass die nun gemachten Erfahrungen mit den Wisenten auch Ängste hervorrufen können, beispielsweise in Bezug auf den Verkehr oder überraschende Begegnungen im Wald.
Die Umfrageergebnisse liefern dem Verein Wisent im Thal wichtige Hinweise für das weitere Vorgehen, die zukünftige Kommunikation und die weiteren Handlungsgrundsätze. Gerade mit diesen Umfrageergebnissen erscheint eine Phase der Halbfreiheit sinnvoll, in welcher die Wisente zwar nicht mehr eingezäunt sind, aber streng überwacht und in einem vordefinierten Perimeter gehalten werden. Diese Phase soll erlauben, dass die Wisente ihre natürlichen Verhaltensmuster annehmen können, was der Bevölkerung dann wiederum ein klareres und realistischeres Bild der Tiere vermitteln kann.
Wisent im Thal wird an der Gewerbeausstellung MEGAThal vom 8. – 10. Mai 2026 mit einem Stand vertreten sein und freut sich jetzt schon auf einen regen Austausch mit der Bevölkerung.
Ziel des Projektes ist es, mit einer Wisent-Testherde zu untersuchen, ob der im Mittelalter hierzulande ausgerottete Wisent heute als Wildtier im Jura tragbar ist. Der Versuch in einem rund 100 Hektaren grossen Gehege dauert von 2022 bis 2027. Das Testgelände gehört der Bürgergemeinde Solothurn und dem Landwirt und Wisent-Ranger Benjamin Brunner und ist für die Dauer des Versuches eingezäunt. Es wird während der Projektzeit weiterhin land- und forstwirtschaftlich genutzt und der Zugang für die Öffentlichkeit wird nicht eingeschränkt. Derzeit laufen Gespräche mit Grundeigentümern für die darauffolgend geplante Phase der Halbfreiheit.
Auskunft zum Kurzbericht:
- WSL-Projektbearbeiter Matej Mrvelj (matej.mrvelj@wsl.ch, 044 739 24 84).
Auskunft im Zusammenhang mit dem Projekt Wisent Thal:
- Otto Holzgang, Projektleiter Wisent Thal, 076 418 02 66
- Stefan Müller-Altermatt, Präsident Verein Wisent im Thal, 076 332 15 26